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Am 11. September ist der Welt-Erste-Hilfe-Tag

09.09.2021

Eine schwere Verletzung, ein Herzinfarkt oder ein anderer Notfall können jederzeit unerwartet auftreten. Die Pflicht eines jeden Bürgers ist es dann, erste Hilfe zu leisten. Dr. Stephan Singöhl, Chefarzt der Klinik für Notfallmedizin im Klinikum Magdeburg, berichtet im Interview, worauf es beim Thema Erste Hilfe ankommt.

Wie kann man helfen, wenn ein Mensch regungslos am Boden liegt?

Vor Beginn der ersten Hilfsmaßnahmen ist es wichtig zu prüfen, ob der Betroffene noch atmet und auf deutliche Ansprache bzw. leichte Körperberührung reagiert. Auf die Pulskontrolle kann dabei heute verzichtet werden. Ist der Patient also bewusstlos und atmet nicht mehr, sollte zuerst der Notruf unter der bekannten Nummer 112 abgesetzt werden. Sind die 5 W-Fragen und auch etwaige Rückfragen der Rettungsstelle geklärt, dann soll mit der Herzdruckmassage begonnen werden. Etwa 100 Mal in der Minute ist ein optimales Maß.

Die Herzdruckmassage sollte flachliegend auf dem Boden erfolgen, um ausreichend Druck auf den Oberkörper ausüben zu können. Herzdruckmassage im Bett oder dem weichen Sofa ist häufig ineffektiv.

Der Wechsel mit Atemspenden (Mund zu Mund-Beatmung) muss nicht erfolgen, wenn er nicht zumutbar ist.

Wie lange führe ich die Herzdruckmassage durch?

Wichtig ist es, die Herzdruckmassage für die Dauer der Bewusstlosigkeit bis zum Eintreffen der Rettungskräfte fortzusetzen.

Eine wertvolle Hilfe in diesem Ablauf sind außerdem sogenannte Notfall-Defibrillatoren, die auf größeren Bahnhöfen, in Einkaufszentren und anderen Orten mit viel Publikumsverkehr vorhandenen sind. Auch medizinische Laien können diese Geräte bedienen und damit einen Herzrhythmus, der zum Herzstillstand führt, behandeln.

Was tue ich, wenn der Patient zwar bewusstlos ist, aber noch atmet?

Bewusstlose Notfallpatienten, die noch selbständig atmen können, sind die in die stabile Seitenlage zu bringen. Sie verhindert, dass die Betroffenen von allein auf den Rücken rollen und ihre Zunge die Atemwege blockiert bzw. sie Erbrochenes verschlucken. Wichtig ist es auch, für die Dauer bis zum Eintreffen der Rettungskräfte für die Warmhaltung zu sorgen, denn ein verletzter oder erkrankter Mensch, der bewegungslos auf dem Boden liegt, kühlt aufgrund seines geschwächten Kreislaufs besonders schnell aus. Um Wärmeverluste zu verringern, hilft die Aluminium-Rettungsdecke aus dem Pkw-Verbandkasten oder eine Jacke bzw. Pullover.

Und was kann ich tun, wenn ein Hilfsbedürftiger zwar noch ansprechbar, aber kaum bewegungsfähig ist?

Beispielsweise bei Patienten mit  Brustschmerzen und beklemmender Luftnot ist eine erhöhte Lage des Oberkörpers ratsam.  Gleiches gilt bei Hinweisen auf Kopfverletzungen (Schädel-Hirn-Trauma), Hitzschlag oder Sonnenstich. Als Unterlage lassen sich z.B. zusammengerollte Kleidungsstücke oder Decken verwenden.

Beim sogenannten Kreislaufkollaps durch niedrigen Blutdruck ist dagegen eine flache Lagerung mit leicht erhöhter Position der Beine zu raten.

Bei Verletzungen oder Erkrankungen der Bauchorgane bringt es oft Erleichterung, wenn die Betroffenen flach und mit angewinkelten, unterpolsterten Knien liegen.

Nicht verändern sollte man die Lage von ansprechbaren Patienten gegen deren Willen.

Einen Erste-Hilfe-Kurs besucht man klassisch im Rahmen der Fahrschule. Reicht das für ein ganzes Leben?

Nein. Dafür wendet der Einzelne das Wissen zu selten an. Um sich selbst im Ernstfall sicher zu sein, was man da tut, ist das regelmäßige Auffrischen des Erste-Hilfe-Wissens wichtig. Ein erster Schritt dazu können Schulungsvideos im Internet sein. Noch besser ist es aber, selbst Lehrgänge zu besuchen, die von Hilfsorganisationen angeboten werden. Auch wir im Klinikum Magdeburg führen, obwohl wir ja vom Fach sind, regelmäßig Reanimationsübungen durch.

Jeder Mensch ist zur Hilfe verpflichtet.  Eine unterlassene Hilfeleistung gilt als eine Straftat. Die Sorge, durch Eingreifen den Zustand des Notpatienten zu verschlechtern, gilt nicht als Ausrede für eine unterlassene Hilfe. Grundsätzlich ist jede Hilfe besser als keine Hilfe, sagen die Ärzte. Das mindeste was jeder tun kann, ist es den Notruf abzusetzen.

Zu guter Letzt: Jeglicher Tatendrang für die Erste Hilfe ist gut, jedoch darf die eigene Absicherung auch nicht vergessen werden, oder?

Das stimmt. Wenn man eine Notfallsituation erkennt, z.B. einen Unfall oder Notfall im Straßenverkehr, ist es wichtig auch an die eigene Absicherung zu denken! Daher ist nicht zu vergessen, dass Warndreieck  mindestens 100 Meter vom Unfallort  entfernt gut sichtbar aufzustellen, um auf die Gefahrenstelle hinzuweisen. Oder auch Situationen an Abhängen können für den Helfer brenzlig werden. Wie gesagt, in manchen Situationen kann der Laie auch nur durch das Alarmieren des Rettungsdienstes Erste Hilfe leisten. Das ist von Situation zu Situation unterschiedlich.

Kontakt

Frau Diplom-Journalistin Kathleen Radunsky-Neumann
Unternehmenskommunikation

0391 79121060391 7912103

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