Ehrenamtliche medizinische Versorgung: Mitarbeiter des Klinikums engagieren sich
Hoffnung für die, die sonst unsichtbar bleiben
14.10.2026

„Wenn Sie das hier machen, gehen Sie mit dem Gefühl nach Hause, etwas wirklich Gutes getan zu haben“, erzählt Iven Dietrich. Der Fachkrankenpfleger für Anästhesie- und Intensivpflege arbeitet nicht nur im Klinikum Magdeburg (derzeit freigestelltes Betriebsratsmitglied), sondern auch ehrenamtlich in der Magdeburger Praxis von „Ärzte der Welt“: einer Organisation, die kostenfrei Menschen medizinisch betreut, die sonst keine ausreichende Versorgung erhalten würden. „Viele sagen, dass es aktuell schlecht läuft in unserem Land. Hier hat man eine konkrete Chance, selbst dafür zu sorgen, dass es besser wird. Und das tut gut.“
Sie fallen durchs System: Hunderttausende Menschen sind nicht oder nur unzureichend krankenversichert, darunter Deutsche, EU-Bürger sowie Menschen ohne geregelten Aufenthaltsstatus. Auch in Magdeburg ist das ein Problem: Ohne Versicherung eine notwendige Behandlung zu finanzieren, ist für diese Menschen nämlich unmöglich – 99 Prozent der Patienten sind von Armut betroffen.
„Sie lernen hier die unterschiedlichsten Biografien kennen. Auch Menschen, die früher Firmenchefs waren, plötzlich gekündigt wurden und dann die private Krankenversicherung und sogar ihre Wohnung verloren haben“, erzählt Dr. Christiana Hesse, ehemals Chefärztin für Anästhesie im Klinikum Magdeburg, nun in Teilzeit weiterhin als Fachärztin im Haus sowie genau wie Iven Dietrich ehrenamtlich bei „Ärzte der Welt“ tätig. „Einige Patienten haben sogar eine Versicherung. Trotzdem erhalten sie keine ausreichende Versorgung. Das liegt unter anderem an Diskriminierung, überfordernder Bürokratie oder Sprachbarrieren.“
Oft ginge es aber gar nicht ums Geld – sondern um Zeit. Denn was Patienten hier besonders schätzen: dass der betreuende Arzt nicht immer wieder auf die Uhr schaut, sondern ein offenes Ohr hat. „Wir arbeiten ja hier alle freiwillig und jeder so viel, wie er möchte und kann. Das macht was mit der Arbeitsatmosphäre“, so Dietrich. Und der Redebedarf sei groß, etwa bei Wohnungslosen oder Geflüchteten, die in Notunterkünften leben und unter Schlafmangel sowie Angstzuständen leiden.
„Auch Sozialarbeiter sind bei uns in den Prozess eingebunden, damit man gemeinsam schauen kann, wie man den Patienten am besten helfen kann. Denn viele haben aufgrund ihrer Erfahrungen schlicht keine Energie mehr, um sich selbst zu orientieren“, so Dr. Hesse. „Unser Ziel ist, dass alle Menschen wieder oder erstmalig in Krankenkassen aufgenommen werden. Wir helfen in dieser Übergangszeit.“
Niedergelassene Kollegen bieten je nach Möglichkeit und Bedarf z.B. kostenfreie Röntgenaufnahmen an. „EKG, Blutdruck messen und so weiter machen wir selbst. Es gibt auch zahnmedizinische und psychiatrisch-psychotherapeutische Sprechstunden sowie eine Kindersprechstunde. Wenn es etwas mehr Diagnostik braucht, etwa bei Schwangeren, müssen wir aber unsere Netzwerke anfunken“, so die Ärztin. Viele, die hier ehrenamtlich arbeiten, sind Mediziner und Pflegefachpersonen, die bereits in Rente sind. Aber auch Medizinstudenten greifen der Praxis unter die Arme.
Das Projekt wird vollständig über Spenden finanziert. „Aktuell merken wir allerdings, dass viele Spenden einbrechen“, so Dietrich. Alte Patientenmonitore, die im Klinikalltag nicht mehr genutzt werden, hat die Technikabteilung im Klinikum Magdeburg organisiert. Zum Tag der Pflege und Ärztetag, an denen es in den vergangenen Jahren kleine Präsente für die Mitarbeiterschaft im Klinikum Magdeburg gab, hat sich das Haus in diesem Jahr außerdem für Spenden an „Ärzte der Welt“ entschieden. Denn klar ist: Hier zählt und hilft jeder Cent.
Sie möchten das Projekt unterstützen? Auch Sachspenden helfen dem Team der Magdeburger Praxis sehr. Schreiben Sie dafür gerne eine E-Mail an: open.med-magdeburg@aerztederwelt.org
Finanzielle Spenden sind möglich unter https://www.aerztederwelt.org/jetzt-spenden/?nab=1
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