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„Empty Nose Syndrom“: Neuartiges Implantat im Klinikum Magdeburg verringert Leidensdruck enorm

Wenn die Luft zum Atmen knapp wird

27.11.2025

Anne B. kämpft seit Jahren gegen ihren chronischen Schnupfen. Als Erzieherin in einem Hort kein leichtes Unterfangen. Deshalb ließ sie sich im vergangenen Jahr operativ die linke Nasenmuschel in Halle verkleinern. Schon kurz nach der OP wurden ihre Beschwerden jedoch eher schlimmer als besser: Die Nasenatmung verschlechterte sich enorm, dazu kamen ein unangenehmer Geruch, Geschmacksverlust, Kurzatmigkeit und Konzentrationsprobleme. „Ich konnte einfache Alltagsaufgaben kaum noch bewältigen“, sagt die Patientin. Bei der Nachsorgeuntersuchung stellte sich dann heraus, dass ihre Nasenmuschel zu stark verkleinert war – die Ursache für ihre Beschwerden.

Das sogenannte „Empty Nose Syndrom“ wurde diagnostiziert, das im Fall von Anne B. infolge einer übermäßigen Entfernung von Gewebe der Nasenmuschel entstanden ist. Beim Empty Nose Syndrom ist nämlich der Innenraum der Nase zu stark vergrößert, wodurch es zu Luftverwirbelungen in der Nase kommt. Diese Luftwirbel behindern den Durchlass der Atemluft und es kommt zu Austrocknung, dadurch zu Borkenbildung (Nasensekret, das trocken an der Schleimhaut haften bleibt) – die Ursache des unangenehmen Geruchs. Die Einschränkungen im Lebensalltag der Patientin wurden immer gravierender: Die Vielzahl von Symptomen ließ sich nicht mit einer Salbe oder Nasenspülungen beheben.

Schnell war ihr klar, dass es eine weitere OP geben muss, die das Innere der Nase wiederaufbaut und die abgestorbene Nasenmuschel ersetzt. So suchte Anne B. Rat bei ihrer langjährigen HNO-Ärztin in Quedlinburg, die eine Empfehlung für das Klinikum Magdeburg aussprach. Chefarzt Dr. Christian Koch und Oberärztin Miranda Kamphues-Minderhoud übernahmen Frau B. zur Behandlung ins Olvenstedter Klinikum. Die Idee, eine Nasenmuschel wiederaufzubauen, so berichtet die Oberärztin, entstand nach Forschungsergebnissen über das Strömungsverhalten der Luft in der Nase. Dazu habe es in der Vergangenheit bereits eine Patientin gegeben, bei welcher das Naseninnere zunächst mittels Eigenrippe aufgebaut wurde, eine verbreitete Technik. Die Ergebnisse waren in diesem Fall anfangs sehr gut und die Patientin war beschwerdefrei. Leider wurde die Rippe langsam vom Körper abgebaut und die Beschwerden kehrten zurück. Somit entstand unter Federführung von Dr. Koch die Idee, die Muschel mittels Keramik, einem etablierten Verfahren zum Knochenersatz, wiederaufzubauen.

Für einen keramischen Ersatz werden im Vorfeld über eine dünnschichtige CT-Bildgebung die Nasenhaupthöhle und der Defekt genau vermessen. Aus diesem Datensatz wird dann eine individuell auf die Bedürfnisse der Patientin angepasste Keramik hergestellt. „Diese wird in einer ca. 45-minutigen OP implantiert“, erklärt Kamphues-Minderhoud. Diese Methode hat zwei Vorteile: Die Keramik lässt sich passgenau in die Gewebetasche einbringen und sie unterliegt keinem Auflösungsprozess, wie das bei Eigengewebe häufiger der Fall ist. 

Mittlerweile, ein halbes Jahr und zwei Kontrolluntersuchungen später, ist Anne B. überglücklich. Sie kann ihren Alltag ohne Probleme bewältigen, ist durch die bessere Versorgung mit Sauerstoff viel aktiver geworden und vor allem: den chronischen Schnupfen ist sie los. Ein völlig neues Lebensgefühl sei entstanden. Während ihrer eigenen Recherche zu den Behandlungsmöglichkeiten sei sie auf Facebook einer Selbsthilfegruppe für Empty-Nose-Erkrankte beigetreten und hat ihre positiven Erfahrungen im Netz geteilt. Der intensive Austausch mit Betroffenen habe ihr gezeigt, dass die im Klinikum Magdeburg neu entwickelte OP-Methode deutliche Vorteile und vor allem ein langfristig gutes Ergebnis bringt. Sie sei froh, sich dafür entschieden zu haben – denn oft berichten Betroffene von einem langen Leidensweg und mehrere Operationen, um den Krankheitsverlauf zu stoppen. 

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