Entzündung der Wirbelsäule: Zufallsbefunde führen zu langwieriger Detektivarbeit
Meist handelt es sich um eine bakterielle Infektion
14.04.2026

Die sogenannte Spondylodiszitis (Infektion der Bandscheibe, der Wirbelkörper und des umgebenden Gewebes) ist meist eine bakterielle Infektion. Und dabei tückisch: Denn die Bakterien gelangen in einer Vielzahl der Fälle erst über die Blutbahn in den Kreislauf und siedeln sich dann in der Wirbelsäule an. Die Frage ist: Von wo sind sie gestartet? „Eine Infektion kann von einer vergangenen Lungenentzündung stammen, von einer offenen Wunde oder durch Biss oder Kratzwunden eines Haustieres entstehen“, erklärt Katharina Franke, Oberärztin in der Klinik für Orthopädie im Klinikum Magdeburg. „Es gibt viele Möglichkeiten – und das macht es so kompliziert.“
Oft werden die Patienten ambulant an behandelt und später im Klinikum vorgestellt, um die starken Rückenschmerzen und Begleitsymptome abzuklären. „Wir sehen bei solchen Fällen selten Menschen, die ansonsten gesund sind. In der Regel ist ihr Immunsystem geschwächt, wodurch die Bakterien es leichter haben, sich an der Wirbelsäule anzusiedeln“, so Franke. „In entsprechend schlechtem Zustand sind die Patienten dann oft.“
In einem ersten Step erfolgt zunächst die genaue Anamnese: Vor kurzem im Ausland gewesen? Eine Spritze bekommen? Gibt es offene Stellen oder Wunden am Körper? Gab es eine Zahnbehandlung? Liegt eine andere Infektion vor? Dann werden Blut- und Urinproben entnommen und das Herz mit einer Echokardiographie untersucht. Oft geht es für Patienten anschließend ins MRT, wodurch dann die Infektion an der Wirbelsäule festgestellt wird. Es ist also die Zusammenarbeit von Experten verschiedener Fachrichtungen notwendig, um dem Übeltäter auf die Spur zu kommen. „Das wichtigste ist, den Keim zu finden, der Ärger macht und darauf das Antibiotikum ausrichten zu können“, sagt Franke.
Damit ist es allerdings häufig nicht getan: Das befallene Gewebe muss operativ entfernt werden. „Bei infiziertem Gewebe schneiden Operateure eigentlich großzügig weg. Das ist an der Wirbelsäule natürlich nicht so einfach“, so Franke. „Wir müssen von dem befallenen Gewebe möglichst alles entfernen und stabilisierende Implantate mit Schrauben und Stäben einbringen. Zum Teil ersetzen wir ganze Wirbelkörper, um neue Stabilität zu schaffen, und verwenden zusätzlich Knochenersatzmaterialien. Nur so kann die Infektion in Ruhe ausheilen.“
Gemeinsam mit den Implantaten wird ein lokales Antibiotikum eingebracht, dieses wird dem Patienten auch zusätzlich über die Vene verabreicht. Die antibiotische Therapie muss im Verlauf der Behandlung angepasst werden und vor allem langfristig erfolgen. Die weitere Behandlung der Spondylodiszitis dauert oft sechs bis zwölf Wochen.
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